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Neurodegenerative Erkrankungen – Wenn das Gehirn seine Bahnen verliert

Alzheimer Demenz

Alzheimer-Demenz – die häufigste Form neurodegenerativer Erkrankungen

Dies ist der dritte Blogartikel aus einer Reihe zu den vier bedeutenden Krankheitssyndromen unserer Zivilisation. Der erste befasste sich mit Diabetes Typ 2 und dem metabolischen Syndrom und der zweite mit Arteriosklerose und Herz-Kreislauferkrankungen

Neurodegenerative Erkrankungen gehören zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Sie entstehen, wenn Nervenzellen im Gehirn nach und nach zugrunde gehen. Dazu zählen unter anderem:

  • Alzheimer-Demenz
  • Parkinson-Krankheit
  • Lewy-Body-Demenz
  • frontotemporale Demenzen
  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)

Die Symptome können sehr unterschiedlich beginnen: Bewegungsstörungen, Gedächtnisprobleme, Sprachschwierigkeiten, Orientierungsverlust, Verhaltensänderungen oder – in späten Stadien – ein zunehmendes Sich-selbst-Vergessen. Jede dieser Erkrankungen folgt ihrem eigenen Verlauf, doch gemeinsam ist ihnen der schleichende Verlust neuronaler Funktionsfähigkeit.

Die Alzheimer-Demenz ist die am weitesten verbreitete Demenzform. Sie entwickelt sich langsam – oft über viele Jahre hinweg – und wird daher anfangs leicht übersehen.

Was gilt als mögliche Ursache? Ein multifaktorielles Geschehen

Die Forschung zeigt immer deutlicher: Alzheimer hat nicht eine Ursache. Vielmehr wirken verschiedene Faktoren zusammen.

1. Genetik: Die Rolle von APOE-4

Genetische Disposition für DemenzDas Gen APO E beeinflusst den Fettstoffwechsel im Gehirn. Die Variante APO E-4 erhöht das Risiko für Alzheimer – aber sie ist kein Automatismus.

Denn viele APOE-4-Träger bleiben ein Leben lang symptomfrei, während andere ohne dieses Gen erkranken. 

2. Beta-Amyloide – wichtig, aber nicht alles

Beta-Amyloid-Plaques gehörten lange zu den zentralen Erklärungsmodellen der Alzheimer-Forschung. Doch inzwischen relativieren neue Daten diese Sicht:

  • 20–30 % der älteren Menschen haben deutliche Amyloidablagerungen im Gehirn – ohne Anzeichen einer Demenz.
  • Umgekehrt zeigen etwa 10–15 % der Alzheimer-Betroffenen kaum oder keine Amyloidablagerungen.

Das bedeutet: Beta-Amyloid ist sicherlich beteiligt – aber nicht der entscheidende Auslöser.

Dies zeigen auch mehrere neuere Antikörpertherapien. Zwar sind sie in der Lage Amyloid aus dem Gehirn zu entfernen, stoppen können sie letztlich den Krankheitsverlauf jedoch nicht. Allenfalls kommt es zu einem leicht verlangsamten Verlauf unter der Gefahr unangenehmer Nebenwirkungen. Die klinische Verbesserung bleiben somit deutlich hinter der Amyloidreduktion zurück.

Auch das spricht dafür, dass Alzheimer weit komplexer ist als ein einzelnes fehlgefaltetes Protein.

3. Tau-Proteine

Tau-Veränderungen treten in den Nervenzellen selbst auf und korrelieren stärker mit dem tatsächlichen Ausmaß der kognitiven Einschränkungen. Doch auch Tau erklärt nicht alle Krankheitsverläufe.

Wie beginnt Alzheimer – und was ist normale Vergesslichkeit?

Alzheimer DemenzViele Menschen machen sich Sorgen, wenn sie etwas vergessen. Doch: Vergesslichkeit ist normal – besonders bei Stress oder Schlafmangel. Auch ein altersbedingter Rückgang der Gehirnfunktionen ist nicht unbedingt gleichzusetzen mit einer unaufhaltsam fortschreitenden Demenzerkrankungen.

Typische Anfangssymptome der Alzheimer-Demenz sind:

  • Störungen des Kurzzeitgedächtnisses
  • langsamer werdende Informationsverarbeitung
  • Schwierigkeiten, Gesprächen zu folgen
  • Wortfindungsstörungen
  • Orientierungsprobleme
  • nachlassendes Planungsvermögen

Wirklich typisch für Alzheimer ist das Fortschreiten über Jahre hinweg:

 Spätere Symptome:

  • deutliche Gedächtnislücken
  • Verlorengehen von Alltagskompetenzen
  • Verwirrtheit und Desorientierung
  • Veränderungen der Persönlichkeit
  • Ängste, Unruhe oder Aggression
  • Sprachstörungen
  • zunehmende Pflegeabhängigkeit

Nicht jedes Vergessen ist krankhaft – doch anhaltende Verschlechterungen über längere Zeiträume sollten ärztlich abgeklärt werden.

Neue Erkenntnisse: Alzheimer als Gefäß- und Stoffwechselerkrankung des Gehirns

Die neuere Forschung öffnet den Blick für zusätzliche Mechanismen:

Gefäßveränderungen und Entzündungen

Bei vielen Betroffenen finden sich Verkalkungen, Mikroentzündungen und Durchblutungsstörungen in den Hirngefäßen.

Durchblutung des GehirnsOhne gute Durchblutung kann das Gehirn nicht entgiften, nicht regenerieren und nicht stabil funktionieren.

Energiekrise des Gehirns: Insulinresistenz

Bildgebende Verfahren zeigen bei vielen Betroffenen eine gestörte Glukoseverwertung im Gehirn.

Zellen hungern – und verlieren ihre Funktionsfähigkeit. Dieses Phänomen wird teils als „Insulinresistenz des Gehirns“ bezeichnet.

Hörverlust als unterschätzter Risikofaktor

Unbehandelter Hörverlust erhöht das Demenzrisiko, möglicherweise weil:

  • das Gehirn dauerhaft überlastet wird
  • soziale Isolation zunimmt
  • wichtige Hirnareale zu wenig stimuliert werden

Diese Sichtweise auf die Ursachen von Demenz erschließen uns Möglichkeiten für Prävention und Behandlung.

Prävention: Wie wir das Risiko reduzieren können

Die gute Nachricht: Viele Risikofaktoren lassen sich beeinflussen – und das selbst im höheren Alter.

Ernährung

  • entzündungsarme, nährstoffreiche Kost
  • viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse
  • hochwertige Fette (Omega-3)
  • wenig Zucker und Weißmehl
  • stabile Blutzuckerspiegel

Bewegung – Ausdauer UND KraftDemenz Prävention

  • Ausdauertraining verbessert die Hirndurchblutung
  • Krafttraining erhöht die Insulinsensitivität
  • Bewegung fördert neuroplastische Prozesse

Schlaf – Tiefschlaf UND REM-Phasen

Schlaf ist die „Nachtpflege“ des Gehirns:

Tiefschlaf

  • Aktivierung des glymphatischen Systems
  • Abtransport von Stoffwechselresten, u. a. Beta-Amyloid

REM-Schlaf

  • emotionale Verarbeitung
  • Gedächtnisbildung
  • flexible Anpassung neuronaler Netzwerke
  • ein wichtiger Schutzmechanismus gegen kognitive Störungen

Studien zeigen: Menschen mit stark reduziertem REM-Anteil haben ein bis zu doppelt so hohes Demenzrisiko.

Blutwerte prüfen und optimieren

Wichtig sind u. a.:

  • Homocystein
  • Vitamin B12 und Folsäure
  • Blutzucker / Insulin
  • Entzündungsmarker
  • Vitamin D
  • Omega-3-Status

Hörverlust früh behandeln

Eine einfache, aber oft übersehene Maßnahme mit großer Wirkung.

Fazit

Neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer sind komplexe Prozesse, an denen Genetik, Entzündungen, Gefäßgesundheit, Stoffwechsel und Lebensstil beteiligt sind. Beta-Amyloid spielt eine Rolle – aber die bisherigen Medikamente zeigen, dass es nicht der Schlüssel zur Heilung ist.

Die beste Prävention liegt heute in einem ganzheitlichen Ansatz, der Gehirn, Stoffwechsel, Gefäße und Lebensgewohnheiten gemeinsam betrachtet. Ein aktiver Lebensstil, gute Ernährung, hochwertiger Schlaf und regelmäßige medizinische Checks können die Gehirngesundheit stärken – oft stärker, als man lange angenommen hat.

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