Fettleber bei Kindern und Jugendlichen - oft nicht im Blick
Bei einer Fettleber denken viele an Erwachsene, an zu viel Wein und zu wenig Bewegung. Tatsächlich ist die metabolisch bedingte Fettleber jedoch auch schon bei Kindern eine zunehmende Erkrankung. Einige Studien belegen dies.
Was die Studien zeigen
Seit 2023 wird die nicht alkoholische Fettleber MASLD (Metabolic dysfunction-Associated Steatotic Liver Disease) genannt. Früher hieß sie NAFLD (Non-Alcoholic Fad Liver Disease). Der neue Name stellt den gestörten Stoffwechsel als Ursache in den Mittelpunkt.
Wie viele Kinder betroffen sind: Weltweit geht man von rund 7,4 Prozent aller Kinder aus. Bei Kindern mit Adipositas ist es mehr als jedes zweite Kind.
Das Alter spielt mit: Eine US-Studie mit Kindern fand bei Zwei- bis Vierjährigen 0,7 Prozent Betroffene, bei 15- bis 19-Jährigen dagegen 17,3 Prozent.
Die Weichen werden früh gestellt: Übergewicht und Schwangerschaftsdiabetes der Mutter sowie die Ernährung in den ersten Lebensjahren prägen den Stoffwechsel mit, unter anderem über epigenetische Mechanismen. Dazu können genetische Veranlagungen kommen.
Was eine Fettleber im Körper anrichtet
Die Leber ist die Stoffwechselzentrale. Lagert sie Fett ein, kann sich das Gewebe entzünden und mit der Zeit vernarben. Im schlimmsten Fall entsteht eine Zirrhose mit dem Verlust der Organfunktion. Außerdem hängt die Fettleber bei Kindern mit einer ganzen Reihe von Herz- und Stoffwechselerkrankungen zusammen. Dazu zählen Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes und ungünstige Blutfette.
Wie ernst das langfristig ist, zeigt eine schwedische Studie. Sie begleitete 718 Kinder und junge Erwachsene bis 25 Jahre mit gesicherter Fettleber über im Mittel knapp 16 Jahre. In dieser Zeit starben 7,7 Prozent der Betroffenen, in der Vergleichsgruppe mit nicht betroffenen Kindern waren es 1,1 Prozent. Die Todesfälle gingen vor allem auf Krebs, Herz- und Stoffwechselkrankheiten sowie Lebererkrankungen zurück. Vermutet wird, dass die eingeschränkte Leberfunktion eben auch für weitere Erkrankungen zuständig war.
Fruktose: der süße Brandbeschleuniger
Traubenzucker (Glucose) kann in jeder Körperzelle verwertet werden. Fruchtzucker landet dagegen fast vollständig in der Leber. Dort wird er zu einem Teil direkt in Fett umgebaut, Fachleute sprechen von De-novo-Lipogenese.
Zwei Studien zeigen eindrucksvoll, wie schnell sich eine Fettleber auch wieder regenerieren kann:
In einer Studie aus Kalifornien bekamen 41 Kinder zwischen 9 und 18 Jahren neun Tage lang alle Mahlzeiten gestellt. Die Kalorien blieben gleich, nur der Zucker wurde durch Stärke ersetzt. Das Leberfett sank im Mittel von 7,2 auf 3,8 Prozent und ging bei fast allen Kindern zurück. Der Effekt zeigte sich sogar bei den Kindern, die dabei gar nicht abnahmen.
In einer zweiten Studie erhielten Jungen zwischen 11 und 16 Jahren acht Wochen lang Mahlzeiten mit weniger als 3 Prozent der Kalorien aus freiem Zucker. Ihr Leberfett fiel von 25 auf 17 Prozent.
Kinder und Jugendliche in Deutschland nehmen rund 11,7 Prozent ihrer täglichen Energie über freien Zucker auf. Die WHO empfiehlt höchstens 10 Prozent, was eigentlich auch schon ein zu hoher Zuckergebrauch ist. Ein großer Teil steckt in Produkten, die gesund aussehen: Quetschies, Fruchtriegel, Fruchtjoghurts, Smoothies, Säfte und Frühstücksflocken mit bunter Tierfigur auf der Packung. Solche Kinderlebensmittel sind laut Verbraucherzentrale häufig zu süß und bringen keinen gesundheitlichen Vorteil. Auch der Hinweis „ohne Zuckerzusatz“ macht ein Produkt nicht automatisch besser. Oft wird dann einfach mit Apfeldicksaft, Dattelpaste oder Fruchtsaftkonzentrat gesüßt. Für die Leber ist das ebenfalls Zucker. Zu den freien Zuckern zählt übrigens auch der Zucker, der natürlich in Fruchtsäften vorkommt.
Dass sich Verzicht früh lohnt, deutet auch eine Studie zur britischen Zuckerrationierung an. Kinder, die in ihren ersten 1000 Lebenstagen wenig Zucker bekamen, waren später besser vor chronischen Krankheiten geschützt.
Was wir für die Kinder tun können
- Wasser als Standardgetränk: Wasser und ungesüßter Kräutertee gehören auf den Tisch. Saft, Smoothies und Eistee sind eine Ausnahme für besondere Anlässe.
- Ganzes Obst statt Quetschie: Beim Kauen bleiben die Ballaststoffe erhalten und der Zucker geht langsamer ins Blut. Ein Apfel macht außerdem deutlich länger satt als ein Beutel Püree.
- Zutatenliste lesen: Achte auf Begriffe wie Fruktose-Glukose-Sirup, Fruchtsaftkonzentrat, Apfeldicksaft oder Agavendicksaft. Steht Zucker in irgendeiner Form weit vorne, bleibt das Produkt im Regal.
- Frühstück neu denken: Haferflocken mit Naturjoghurt, Beeren und gemahlenen Nüssen ersetzen gezuckerte Flocken. Das hält bis zur Pause vor.
Die Snackbox bunt füllen: Gemüsesticks, ein Stück Käse oder Vollkornbrot mit Aufstrich sind gute Begleiter. Für kleine Kinder Nüsse bitte nur gemahlen anbieten.- Ballaststoffe für den Darm: Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkorn nähren die Darmflora. Über die Darm-Leber-Achse profitiert davon auch die Leber.
- Süßes bewusst genießen: Gib Süßem einen festen Platz, zum Beispiel als kleinen Nachtisch nach dem Essen. Ständiges Naschen zwischendurch belastet den Stoffwechsel am stärksten.
- Täglich in Bewegung: Die WHO empfiehlt Kindern ab fünf Jahren mindestens 60 Minuten Bewegung am Tag. Toben, Radfahren und der Schulweg zu Fuß zählen alle mit.
- Schlaf und Bildschirmzeit im Blick: Ausgeschlafene Kinder greifen seltener zu schnellen Snacks. Weniger Bildschirmzeit schafft Raum für Bewegung.
- Vorbild s
ein und gemeinsam kochen: Kinder essen, was sie am Familientisch erleben. Wer mitschnippeln darf, probiert auch Neues. - Ärztlich abklären lassen: Hat dein Kind deutliches Übergewicht, sprich die Kinderärztin auf Leberwerte und einen Ultraschall an. Früh erkannt lässt sich viel bewegen.
Die gute Nachricht zum Schluss: Die Leber ist ein erstaunlich regenerationsfähiges Organ. Die Studien zeigen Verbesserungen schon nach wenigen Tagen und Wochen. Jede ersetzte Saftschorle ist also ein echter Schritt.
Quellen
Schwarz et al., Gastroenterology 2017 · Schwimmer et al., JAMA 2019 · Simon et al., Journal of Hepatology 2021 · Souza et al., J Pediatr Gastroenterol Nutr 2025 · Meta-Analyse zur globalen MASLD-Prävalenz, BMC Medicine 2026 · Übersichtsarbeit im JCI 2025 · DONALD-Studie, Universität Bonn 2024 · Gracner et al., Science 2024





