Warum Vitamin D mehr ist als das „Knochenvitamin“
Vitamin D gehört zu den physiologisch bedeutendsten Mikronährstoffen des Menschen. Dennoch wird seine Rolle bis heute häufig missverstanden oder stark verkürzt dargestellt. In der öffentlichen Wahrnehmung wie auch in Teilen der medizinischen Praxis wird Vitamin D noch immer primär mit dem Knochenstoffwechsel assoziiert. Diese Sichtweise greift jedoch deutlich zu kurz. Tatsächlich handelt es sich bei Vitamin D nicht um ein klassisches Vitamin, sondern um einen hormonell aktiven Signalstoff, der tief in zentrale Regulationsprozesse des menschlichen Organismus eingebunden ist.
Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten, klinische Beobachtungen und nicht zuletzt die Arbeiten von Experten wie Prof. Dr. Jörg Spitz sowie Konzepte aus der regulativen Vitalstoffmedizin, etwa die von Dr. Petra Wenzel formulierte „Vitalstoffentscheidung“, zeigen übereinstimmend, dass ein suffizienter Vitamin-D-Status eine grundlegende Voraussetzung für Zellgesundheit, Immunbalance, Stoffwechselregulation, Darmfunktion und neuronale Stabilität darstellt. Gleichzeitig ist ein Vitamin-D-Mangel in weiten Teilen der Bevölkerung verbreitet, insbesondere in Mitteleuropa, bei älteren Menschen, bei chronisch Kranken sowie bei Personen in Pflege- und Betreuungseinrichtungen. Diese Kombination aus hoher physiologischer Bedeutung und hoher Mangelprävalenz macht Vitamin D zu einem der zentralen, jedoch weiterhin unterschätzten Faktoren moderner Präventions- und Regulationsmedizin.
Vitamin D aus biochemischer Sicht: Kein Vitamin, sondern ein Hormon
Vitamin D wird oft als klassisches Vitamin bezeichnet, doch streng genommen trifft das nicht zu. Aus biochemischer Sicht handelt es sich vielmehr um einen Hormonvorläufer, den der Körper selbst herstellen kann. Unter dem Einfluss von Sonnenlicht (genauer gesagt UV-B-Strahlen) entsteht in der Haut zunächst eine inaktive Vorstufe. Diese wird anschließend in Leber und Niere schrittweise in die biologisch aktive Form umgewandelt – das sogenannte Calcitriol.
Calcitriol wirkt im Körper wie ein echtes Hormon. Es bindet an spezielle Vitamin-D-Rezeptoren, die sich in allen Körperzellen finden, unter anderem in Zellen des Immunsystems, der Muskulatur, des Nervensystems, der Darmschleimhaut und der Blutgefäße. Über diese Rezeptoren kann Vitamin D direkt beeinflussen, welche Gene in den Zellen aktiv sind. Auf diese Weise greift es tief in grundlegende Abläufe ein, etwa in die Steuerung von Zellwachstum und Zellerneuerung, den kontrollierten Abbau alter Zellen, die Regulation des Immunsystems sowie in die Balance zwischen Entzündung und Entzündungshemmung.
Vitamin D kann auch über die Nahrung aufgenommen werden, doch sind die natürlichen Quellen begrenzt:
fettreiche Fische wie Hering, Lachs oder Aal gehören zu den wenigen nennenswerten Lieferanten. Selbst bei täglichem Verzehr großer Mengen bleibt der Beitrag in der Regel unzureichend, um den Bedarf zu decken.
Vitamin und seine Wirkung auf Knochen und Muskeln
Das klassische Verständnis der Funktion von Vitamin D liegt im Calcium- und Phosphatstoffwechsel und damit in der Aufrechterhaltung der Knochen- und Zahngesundheit. Ein Mangel führt zu einer verminderten Mineralisation des Knochens, zu sekundärem Hyperparathyreoidismus, Osteomalazie, Osteoporose sowie zu einer erhöhten Frakturgefahr.
Darüber hinaus spielt Vitamin D eine wesentliche Rolle für die Muskulatur. Es beeinflusst die Muskelkraft, die Koordination und die neuromuskuläre Funktion. Ein zu geringer Vitamin-D-Spiegel wird mit Muskelschwäche, Abbau von Muskelmasse und einer erhöhten Sturzgefahr in Verbindung gebracht. Gerade letzteres ist ein Aspekt von großer klinischer Bedeutung, insbesondere im geriatrischen Kontext.
Vitamin D und das Immunsystem
Über diese allgemein bekannte Wirkungsweise hinaus entfaltet Vitamin D tiefgreifende Effekte auf das Immunsystem. Es moduliert sowohl das angeborene als auch das adaptive Immunsystem, fördert die Bildung antimikrobieller Peptide wie Cathelicidin, beeinflusst die Reifung dendritischer Zellen und reguliert die Differenzierung von T-Lymphozyten. Insgesamt wirkt Vitamin D immunbalancierend und entzündungsdämpfend.
Epidemiologische Studien zeigen konsistent, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel mit einer erhöhten Infektanfälligkeit und mit schwereren Verläufen respiratorischer Infektionen assoziiert sind. Beobachtungen aus Pflegeheimen, insbesondere aus der Schweiz und aus Österreich, in denen Vitamin D regelmäßig supplementiert wurde, zeigten während der COVID-19-Pandemie überwiegend mildere Krankheitsverläufe. Auch wenn es sich hierbei nicht um randomisierte kontrollierte Studien handelt, unterstreichen diese Beobachtungen die potenzielle Bedeutung eines suffizienten Vitamin-D-Status für die Infektresilienz vulnerabler Bevölkerungsgruppen.
Vitamin D und Darmgesundheit: Ein zentraler, oft unterschätzter Zusammenhang
Ein besonders wichtiger und lange wenig beachteter Wirkbereich von Vitamin D ist der Darm. In der gesamten Darmschleimhaut finden sich Vitamin-D-Rezeptoren, vor allem im Dünndarm, wo der Großteil der Nährstoffaufnahme stattfindet. Vitamin D trägt entscheidend dazu bei, dass die Darmschleimhaut stabil und funktionsfähig bleibt. Es unterstützt die dichten Zellverbindungen der Darmwand, die dafür sorgen, dass unerwünschte Stoffe nicht unkontrolliert in den Körper gelangen. Auf diese Weise stärkt Vitamin D die natürliche Barrierefunktion des Darms.
Gleichzeitig beeinflusst Vitamin D das Immunsystem im Darm. Es hilft dabei, ein ausgewogenes Gleichgewicht zu halten zwischen der Abwehr schädlicher Keime und der Toleranz gegenüber den nützlichen Darmbakterien, die für unsere Gesundheit unverzichtbar sind.
Darüber hinaus spielt Vitamin D eine zentrale Rolle bei der Nährstoffaufnahme. Es steuert bestimmte Transportmechanismen und Enzyme in den Darmzellen, die notwendig sind, damit Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium und Phosphat sowie weitere Mikronährstoffe aus der Nahrung aufgenommen werden können. Ohne ausreichend Vitamin D kann der Darm diese Nährstoffe deutlich schlechter verwerten – selbst dann, wenn sie in ausreichender Menge zugeführt werden.
Der Teufelskreis: Gestörter Darm und Vitamin-D-Mangel
Umgekehrt wirkt sich auch der Zustand unseres Darms direkt auf den Vitamin-D-Spiegel aus. Ist der Darm geschädigt (etwa durch chronische Entzündungen, ein Ungleichgewicht der Darmbakterien (Dysbiose), Stress, Medikamente oder ungesunde Ernährung) kann er Vitamin D schlechter aufnehmen. Auch die Umwandlung in seine aktive Form und die Verwertung im Körper können gestört sein.
So entsteht ein Teufelskreis: Ein Mangel an Vitamin D schwächt die Darmbarriere weiter, die Darmwand wird durchlässiger, was man auch als „Leaky Gut“ bezeichnet. Gleichzeitig verstärken sich entzündliche Prozesse, die wiederum die Aufnahme und Verarbeitung von Vitamin D zusätzlich erschweren. Langfristig kann dieser Kreislauf weitreichende Folgen haben, weil Schadstoffe, Entzündungsstoffe und Bakterienbestandteile aus dem Darm leichter in den Blutkreislauf gelangen.
Vitamin D und die Darm-Hirn-Achse
Die enge Verbindung zwischen Darm und Gehirn wird in der Forschung zunehmend als „Darm-Hirn-Achse“ bezeichnet. Vitamin D spielt dabei eine zentrale Rolle: Es wirkt nicht nur im Darm, sondern auch direkt im Nervensystem, sowohl im Gehirn als auch im sogenannten enterischen Nervensystem des Darms.
Über diese Signalwege beeinflusst Vitamin D die Stimmung, Stressreaktionen und kognitive Funktionen. Eine geschädigte Darmbarriere kann also über immunologische und neuronale Mechanismen auch Auswirkungen auf Gehirn und Psyche haben. Aus diesem Grund ist Vitamin D ein entscheidender Regulator, dessen Mangel in vielen Bereichen spürbare Folgen haben kann – von erhöhter Anfälligkeit für Entzündungen bis hin zu Beeinträchtigungen der mentalen Leistungsfähigkeit.
Vergleiche hierzu auch unseren Blogartikel zur Darmgesundheit.
Vitamin D und das Herz-Kreislaufsystem und der Stoffwechsel
Neben Knochen, Muskeln, Darm und Immunsystem spielt Vitamin D auch eine zentrale Rolle für Herz-Kreislauf-Funktionen und den Stoffwechsel.
Zahlreiche Studien zeigen, dass ein ausreichender Vitamin-D-Status mit einem stabilen Blutdruck, einer gesunden Gefäßfunktion und einer besseren Herzleistung verbunden ist. Vitamin D unterstützt die Regulation der Gefäßspannung, wirkt entzündungshemmend auf die Gefäßwände und kann so zur Prävention von Arteriosklerose beitragen.
Darüber hinaus beeinflusst Vitamin D den Stoffwechsel von Glukose und Lipiden. Es wirkt regulierend auf die Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse, unterstützt die Insulinsensitivität der Zellen und kann so zur Stabilisierung des Blutzuckerspiegels beitragen. Gleichzeitig zeigt sich ein Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und metabolischen Störungen wie Insulinresistenz, Übergewicht oder erhöhtem Risiko für Typ-2-Diabetes.
Auf diese Weise trägt Vitamin D nicht nur zur direkten Zellgesundheit bei, sondern wirkt auch systemisch, indem es die zentralen Regulationssysteme des Körpers – Herz, Kreislauf und Stoffwechsel – unterstützt. Ein suffizienter Vitamin-D-Spiegel ist daher ein wichtiger Bestandteil der Prävention kardiometabolischer Erkrankungen und ergänzt die bekannten Effekte auf Muskeln, Knochen, Darm und Immunsystem.
Wie der Vitamin-D-Status richtig bestimmt wird
Der zuverlässigste Weg, den Vitamin-D-Spiegel zu bestimmen, ist die Messung von 25-Hydroxy-Vitamin D (25-OH-D) im Blut. Diese Speicherform zeigt sowohl die körpereigene Produktion durch Sonnenlicht als auch die Aufnahme über Nahrung oder Supplemente an.
Wichtig zu wissen: Die Blutmessung ist immer nur eine Momentaufnahme. Um ein aussagekräftiges Bild zu erhalten, empfehlen viele Expert:innen, den Vitamin-D-Status zwei Mal im Jahr zu kontrollieren, zum Beispiel einmal im späten Winter und einmal im Sommer.
Die aktive Form 1,25-Dihydroxy-Vitamin D eignet sich dagegen nicht für die Statusbestimmung, da ihr Spiegel stark hormonell reguliert wird und bei einem Mangel trotzdem normal oder sogar erhöht sein kann.
Die Werte werden entweder in ng/ml oder in nmol/l angegeben, wobei 1 ng/ml = 2,5 nmol/l entspricht. Allgemein gilt: Unter 30 ng/ml spricht man von einem Mangel. Viele Expert:innen empfehlen funktionell günstige Werte zwischen 50 und 70 ng/ml, insbesondere mit Blick auf das Immunsystem, die Muskeln und die allgemeine Zellregulation. Es gibt auch Empfehlungen, die bis zu 100ng/ml gehen.
Aber Achtung: Nicht wenige Menschen können aufgrund eines genetischen Defekts die aktive Form des Vitamin D – das 1,25-OH (Calcitriol) – nicht in die Zelle bringen. Dies erhöht signifikant Entzündungssymptome. Daher ist es wichtig, auch diese Form des Vitamin D im Labor zu messen. Das heißt also, das Vitamin D-25-OH und das Vitamin D-1,25-OH. Zum Verdeutlichen: bei einem Mangel an Vitamin-D-25-OH wird bei dem beschriebenem Defekt unter Umständen zu viel Vitamin D substituiert. In diesem Fall wäre eine andere therapeutische Begleitung erforderlich.
Vitamin D über Sonne tanken – drei entscheidende Faktoren
Vitamin D wird in der Haut gebildet, wenn UV-B-Strahlen auf unbedeckte Haut treffen. Damit die Sonnensynthese effektiv ist, müssen drei Bedingungen erfüllt sein:
- Sonnenstand: Die Sonne sollte mindestens 45 Grad über dem Horizont stehen – nur dann sind die UV-B-Strahlen stark genug für die Vitamin-D-Produktion.

- Freie Haut: Die Haut darf nicht durch Kleidung oder Sonnenschutz blockiert sein. Je mehr unbedeckte und ungeschützte Fläche, desto mehr Vitamin D kann gebildet werden.
- Dauer: Helle Hauttypen: ca. 20–30 Minuten Sonne, dunkle Hauttypen: ca. 60–120 Minuten, da mehr Melanin die UV-B-Aufnahme reduziert.
Auch wenn die Sonne die effektivste natürliche Quelle ist, deckt sie bei den meisten Menschen in nördlichen Breiten den Bedarf oft nicht vollständig. Deshalb kann eine gezielte Supplementierung notwendig
Supplementierung: Natürlich, regulativ und langfristig
Besonders vorteilhaft ist Vitamin D aus natürlichen Quellen, wie über Sonnenlicht, fetten Fisch oder hochwertige natürliche Präparate. Natürliche Formen werden vom Körper gut reguliert, sodass eine Überdosierung praktisch ausgeschlossen ist. Gleichzeitig wird hier die Wirkung oft besser verwertet als bei synthetisch hergestelltem Vitamin D, da die natürlichen Mechanismen im Körper unterstützt werden. Da die Zufuhr von Vitamin D auch über die Ernährung in der Regel nicht ausreicht, ist eine gezielte Supplementierung oft sinnvoll.
Ein zentraler Punkt ist eine regelmäßige, moderate Gabe über längere Zeit. Kurzfristig sehr hohe Dosen bringen kaum Vorteile und bergen bei synthetischem Vitamin D Risiken. Die Speicherform 25-OH-D hat eine Halbwertszeit von 15-18 Tagen, was bedeutet, dass der Spiegel langsam abfällt und man am besten für eine regelmäßige Zufuhr sorgen sollte, so dass die Konzentration stabil bleibt und die zellulären Wirkungen von Vitamin D zuverlässig stattfinden.
Synthetische Präparate umgehen die natürliche Regulation. Risiken entstehen vor allem bei langfristiger Hochdosis ohne Laborkontrolle und ohne Berücksichtigung wichtiger Cofaktoren wie Vitamin K2, Magnesium und Zink, die für die korrekte Wirkung entscheidend sind.
Gerade für die Darmgesundheit empfehlen viele Expert:innen eine naturnahe, kontinuierliche Versorgung, die den Körper optimal unterstützt, das Risiko einer Überdosierung praktisch ausschließt und die Wirkung auf Immunsystem, Muskeln und Darm maximiert.
Warum Vitamin D nicht isoliert betrachtet werden sollte
Zu den wichtigsten Cofaktoren von Vitamin D zählen insbesondere Vitamin K2 und Magnesium. Vitamin K2 ist entscheidend für die korrekte Verteilung von Calcium im Körper, da es Proteine aktiviert, die Calcium gezielt in Knochen und Zähne einbauen und gleichzeitig Ablagerungen in Gefäßen verhindern. Magnesium wiederum ist notwendig für die enzymatische Aktivierung von Vitamin D und wird bei einer Supplementierung vermehrt verbraucht.
Auch Zink, Vitamin A und eine ausreichende Proteinzufuhr spielen eine Rolle für die optimale Wirkung von Vitamin D. Die „Vitalstoffentscheidung“ nach Petra Wenzel betont genau dieses systemische Zusammenspiel und warnt ausdrücklich vor einer isolierten Betrachtung einzelner Nährstoffe.
Da Vitamin D fettlöslich ist, ist es unterstützend, wenn dieses gemeinsam mit einem hochwertigen Öl eingenommen wird. Vergleiche hierzu auch: https://www.herzenswege-online.de/kurz-notiert/
Fazit: Vitamin D als Grundlage gesundheitlicher Regulation
Vitamin D ist also kein Lifestyle-Supplement und kein Medikament im klassischen Sinne. Vielmehr ist es eine grundlegende Voraussetzung für eine funktionierende Regulationsphysiologie. Sein Nutzen entfaltet sich nicht durch pauschale Dosierungen, sondern durch eine individuell angepasste, ganzheitliche Versorgung, die fundierte Diagnostik, natürliche Synthese, gezielte Supplementierung, Darmgesundheit und die Berücksichtigung aller relevanten Cofaktoren integriert.
Oder, um es mit den Worten von Prof. Dr. Jörg Spitz zusammenzufassen:
Vitamin D ist kein therapeutisches Add-on, sondern eine biologische Grundlage. Ohne sie kann Gesundheit nicht stabil erhalten werden.
Bezugsquelle für ein natürliches Vitamin D-Produkt, das außerdem Vitamin K und auch Magnesium enthält: hier





